VOLKSTRAUERTAG 2017

 

Am Volkstrauertag, Sonntag, den 19. November 2017, fand in unserer Friedenskirche Böddiger das gemeinsam von der Christen- und der Bürgergemeinde verantwortete Gedenken an die Opfer der Weltkriege und die der politischen Gewaltherrschaft unserer Zeiten statt. In diesem Gottesdienst und der damit verbundenen Feierstunde hielt Herr Gunter Veit eine Rede, die von der Gemeinde dankbar aufgenommen wurde und im Folgenden hiermit zusätzlich einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht werden möchte:

 

Liebe Gemeinde !

In unserem ganzen Land kommen heute Menschen in Kirchen, auf Friedhöfen oder an Ehrenmalen zusammen, um derer zu gedenken, die durch Gewalt ihr Leben lassen mussten oder Opfer wurden.

Gewalt ist allgegenwärtig – wir treffen sie  in unserem Land täglich und sind davon – ohne dass wir es oft recht wahrnehmen oder merken wollen – umfassend betroffen. Ihr zu begegnen, öffentlich über sie nachzudenken, ist Sinn dieses Jahrestages im November, den wir Volkstrauertag nennen.

Gewalt ist nicht nur allgegenwärtig, sie hat auch viele Gesichter und Erscheinungsformen.

Wir wollen in diesem Zusammenhang zunächst zurück in die Geschichte blicken. Dabei denken wir insbesondere an die beiden Kriege von 1914 -1918 und von 1939 - 1945 sowie stellvertretend für unzählige andere Kriegsereignisse aus aktuellem Anlass an die Geschehnisse im Nahen Osten, in Afrika oder in Afghanistan.

Für wieviele Menschen sind sie zum Schicksal geworden oder werden es tagtäglich immer noch. Versuchen wir uns vorzustellen, welch schreckliche Wirkungen diese Kriege hatten, welch unsagbare Trauer sie verursacht und welches seelische und materielle Elend sie hinterlassen haben. Wieviel menschliches Glück wurde damals zerstört, wievielen Hoffnungen wurde ein Ende bereitet, wieviele Talente und große Köpfe gingen verloren, wieviel Not entstand?

Diese Feststellungen und Fragen haben auch durch gegenwärtige Geschehnisse eine hochaktuelle Bedeutung.

Gewalt ist so alt wie die Menschheit, Krieg ist eine ihrer vielen Facetten. Um ihr begegnen zu können, muss man sich ihrer Ursachen bewusst werden. Einige der uns Geläufigen seien hier angesprochen und sollten jeden Einzelnen von uns dazu bringen, sich selbst einmal zu prüfen, inwieweit diese Kriterien ihn oder sie selbst betreffen. Ich nenne beispielhaft:  Nichtverstehen des Anderen, d.h. Unfähigkeit oder Unlust, sich in Denken und Handeln des Anderen hineinzuversetzen, mangelnde aktive und passive Kritikfähigkeit, Intoleranz gegenüber anderen Meinungen, Religionen und Kulturformen, zu hoher Vorrang der eigenen Meinung und vor allen Dingen: Nicht miteinander reden.

Keiner sage, das  betrifft mich nicht. Jeder von uns hat den Keim der Gewalt in sich und ist in seinem Leben auch schon einmal gewalttätig geworden. Gewalt wird leider immer noch in der kleinsten Keimzelle unserer gesellschaftlichen Ordnung, der Familie, vermittelt und angewendet. Sie setzt sich fort in Beziehungen, Beziehungsgeflechten, im Beruf, ja sogar unter Freunden. Wie oft werden heute noch Ehepartner und Kinder physisch und psychisch misshandelt, werden am Arbeitsplatz die übelsten Intrigen gesponnen, um beispielsweise die eigene Karriere zu begünstigen? Sind wir alle frei davon?

Konfliktfelder werden auch durch politische Entscheidungen und Weichenstellungen geschaffen. Hier sei beispielsweise das zunehmende soziale Ungleichgewicht angesprochen, das Neid, Begierden und kriminelle Energie hervorruft.

Gewalt in ihrer Erscheinungsform und ihrer regionalen Wirkung ist ein fließendes Phänomen.

Bei jedem Volkstrauertag werden immer wieder aktuelle Konflikte angesprochen. Viele von diesen sind im Zeitablauf gelöst oder beendet worden, andere sind neu entstanden oder dauern noch an.  Dies führt oft zu der Frage, ob solche Tage wie der heutige überhaupt noch sinnvoll sind. Ich denke, dass diese Frage bejaht werden muss. Gewalt ist eine Provokation für jede lebendige Gesellschaft, der man nicht mit Schweigen begegnen kann und darf. 

Wie oft schauen wir voll Unverständnis in Regionen dieser Erde, wo Menschen sich auf den Weg machen und ihre Heimat verlassen auf der Suche nach persönlichem Glück? Warum tun diese Menschen das? Viele von uns ballen - wenn diese unser Land betreten - die Faust, ärgern sich und gehen schließlich zur Tagesordnung über? Was soll’s? Uns geht es ja nach wie vor gut - was machen diejenigen, die in den letzten Jahren hier und in der Welt ärmer geworden sind - schon aus? Was  kümmern mich da schon die aus Afrika? 

Vielen – ich behaupte den meisten – ist nicht klar, dass beispielsweise Sozialabbau bis hin zur Verarmung breiter Schichten ebenfalls durch Ausübung von ungezügelter Macht und Gewalt entsteht. Dieses Beispiel möge stellvertretend für viele andere Triebfeder sein dafür, Gewalt immer wieder zu thematisieren und  in offener Diskussion gegen sie anzugehen.

Ich denke, dass Gewalt eine sehr subjektive Ursache hat. Gewalt kann nur erfolgreich bekämpft werden, wenn jeder oder jede von uns sich selbst als Ursache der Gewalt sieht. Das bedeutet, dass wir alle gefordert sind, erst einmal an uns zu arbeiten uns beispielsweise von Gewaltgedanken zu befreien und diese durch Gedanken der Hochachtung und Zuneigung zu ersetzen.

Wir alle wissen, dass absolute Harmonie unter Menschen kaum denkbar ist. Dennoch kann jeder von uns durch sein Verhalten helfen, die Welt ein wenig freundlicher und friedlicher zu machen. Dazu anzuregen, einen Denkanstoß zu geben, soll dieser Tag auch dienen, soll diese Stunde beitragen.

Der Kampf für mehr Frieden muss Leitgedanke unseres Handelns sein.

Der sinnlose Tod und das Leiden vieler müssen uns Ansporn sein, konsequent für den Frieden und gegen die Gewalt einzutreten.

Wir gedenken der Opfer, wir trauern um sie.

 

  

 

 

Aus Betttuch wird Altardecke

 

Kirchenvorsteherin Hannelore Träbing schuf Schmuck für Friedenskirche

von Manfred Schaake

Böddiger. Hannelore Träbing aus Böddiger liebt ihr Hobby, die Schwälmer Weißstickerei. Aus einem alten Betttuch hat sie ein Schmuckstück geschaffen - eine Altardecke für die Friedenskirche ihrer Heimatgemeinde. Im Gottesdienst am Sonntag, 18. Oktober 2016, ab 10 Uhr wird die neue Decke in Verbindung mit der Goldenen Konfirmation gewidmet und erstmals auf dem Altar ausgelegt.

Seit über 20 Jahren ist Hannelore Träbing Mitglied des Kirchenvorstandes der Evangelischen Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger. Im Jahr 2000 hatte sie schon einmal ein Weihnachtsantependium für den Altar geschaffen. Weil die alten Altardecken schon ziemlich marode waren, wie sie es formuliert, kam sie auf die Idee, ihr Hobby mit etwas Nützlichem zu verbinden. "Man kann auch aus alten Sachen etwas Schönes machen", sagt Hannelore Träbing. Das viele Jahrzehnte alte Leinen-Betttuch war zu schade zum Wegwerfen. Regina Kirchhof aus Böddiger stellte es zur Verfügung. 250 Arbeitsstunden hat Hannelore Träbing in die Altardecke in Schwälmer Weißstickerei gesteckt. Zunächst hat sie die Fäden gezogen, wie dies in der Fachsprache heißt. Vom Bündeln des Randes bis zum Hohlsaum. "Es gab nicht einen einzigen Maschinenstich", betont die Handarbeiterin, die schon sehr viele Decken in Schwälmer Weißstickerei geschaffen hat: "Es macht mir Spaß, wenn man sieht, dass daraus was wird."

"Diese Altardecke ist etwas ganz Besonderes", lobt Kirchenvorsteherin Jutta Kunz aus Böddiger. Und auch Pfarrer Ernst Friedrich Schluckebier ist dankbar für diesen ganz besondren Altarschmuck: "Eine herrliche Initiative, die etwas baufällig gewordene Kirche liturgisch zu verschönern." Der Pfarrer der beiden Kirchengemeinden spricht von einem "schönen Schritt zur Pflege unserer Gottesdienstkultur". Und es passe gut zusammen, dass die neue Altardecke zur Goldenen Konfirmation der Jahrgänge 1964 bis 1966 erstmals aufgelegt werde. Schluckebier: "Die Decke ist ein professionell gestaltetes Stück Kunsthandwerk." 

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Das sagte der Pfarrer:

"Sehr geehrte Frau Kirchenvorsteherin Hannelore Träbing,

Sie haben unserer Evangelischen Friedenskirche zu Böddiger eine Altardecke gestiftet.

In einer kunst-handwerklich kompetenten Weise haben Sie in Stil und Form der in unserer kurhessischen Heimat überlieferten handarbeitlichen Tradition der "Althessischen Schwälmer Weißstickerei" ein Schmuckstück geschaffen.

Nachdem Frau Regina Kirchhof das dieser Arbeit zugrunde liegende Leinentuch gespendet hat - wofür wir ihr hier an dieser Stelle ausdrücklich Dank sagen - haben Sie, liebe Frau Träbing, mit akribischer Sorgfalt, mit Liebe zum Detail und mit der Ausdauer eines Arbeitspensums von rund 250 Stunden dieses Werk hergestellt und künstlerisch vollendet geschaffen.

Am heutigen Sonntag, den 18. September 2016, anlässlich der Feier der goldenen Konfirmation, widmen wir diese Altardecke im Festgottesdienst der Friedenskirche zu Böddiger. Wir übergeben sie hiermit ihrer liturgischen Bestimmung und übernehmen sie zum gottesdienstlichen Gebrauch.

Möge diese Altardecke stets zur Pflege der gottesdienstlichen Kultur in unserer Kirche zum Segen der Gemeinde fortan dienen.

Für Ihre handwerklich-professionelle Arbeit und die darin enthaltene außerordentliche Leistung für unsere Kirche und Gemeinde sprechen wir Ihnen namens des Vorstandes der Evangelischen Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger unser aller Lob und Dank und unsere besondere Anerkennung für Ihre Verdienste aus.

Böddiger, am 17. Sonntag nach Trinitatis

Für den Kirchenvorstand

Schluckebier

Pfarrer
Vorsitzender

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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