Friedenskirche wird Baustelle

Erste Aufträge für Böddiger vergeben – Arbeitseinsatz am 9. Januar

Von Manfred Schaake

Böddiger.  Wenn die Christen am Silvestertag ab 16 Uhr in der Friedenskirche Böddiger zur Jahresschluss-Andacht zusammen kommen, dann ist das ein ganz besonderes Ereignis. Es ist der vorerst letzte Gottesdienst am angestammten Platz. Die evangelische Kirche wird Baustelle. Gottesdienste und Andachten werden ab Januar in der Friedhofskapelle stattfinden.

Seit fast 20 Jahren wartet die Kirchengemeinde nun schon auf die Sanierung des Gotteshauses. Jetzt geht es endlich los. Der Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger hat in seiner jüngsten Sitzung unter Vorsitz von Pfarrer Ernst Friedrich Schluckebier die ersten Arbeiten vergeben.

Wie lange die Bauarbeiten dauern werden, weiß derzeit niemand. Vorgesehen sind drei Bauabschnitte. Die Evangelische Landeskirche von Kurhessen und Waldeck hatte im Sommer einen Kostenrahmen von 1,069 Millionen Euro genehmigt. Schluckebier hatte im Sommer vor dem Kirchenvorstand erklärt und dies jetzt gegenüber der HNA bekräftigt: „So Gott will, werden wir Weihnachten 2022 wieder in unsere Kirche einziehen.” Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, ist allerdings ungewiss. Bei einem über 200 Jahre alten Gebäude ist man vor Überraschungen nie sicher.

Viel wichtiger ist, dass nunmehr begonnen wird, und Schluckebier betonte einmal mehr: „Es ist eine glückliche Entwicklung, dass es jetzt losgeht. Wir sind alle froh und dankbar.”

An heimische Unternehmen vergeben wurden nach der Ausschreibung durch Architekt Jürgen Bauer die Zimmerer-Arbeiten für den Abbau der Kanzel samt Treppe, der Abbau der Treppen zur Empore und des oberen Teils der Orgel. Der untere Teil der Orgel bleibt stehen und wird durch eine „Einhausung” geschützt.

Die so genannten Gründungsarbeiten sind der erste Bauabschnitt, veranschlagt mit 387 071 Euro. Der Auftrag soll im Januar vergeben werden, wie der Architekt auf Anfrage mitteilte. Geplant ist, im März zu beginnen. Wie bereits berichtet, muss das 1799 erbaute Gotteshaus auf „feste Füße” gestellt werden. Der Sandsteinbau steht auf „breiigem” Untergrund, wie es in einem Bodengutachten formuliert wird. Dass es Probleme mit Setzungen gibt, ist bereits im Jahre 1948 in den Akten vermerkt. Oberflächenwasser floss rund um das Gotteshaus unkontrolliert in den Boden. Dies wurde bereits 2015 durch Leitungen und Pflasterrinnen unterbunden. Zwar kamen danach die starken Risse am Gebäude zur „Ruhe”, doch an der Notwendigkeit einer Grundsanierung änderte sich nichts.

Bei bis zu 18 Meter tiefen Bohrungen im Jahr 2017 hatte man gehofft, irgendwo auf tragfähigen Boden zu kommen. An allen vier Eckpunkten der Kirche aber war das nicht der Fall. Wasser und Kies im Untergrund sind der Grund für die vielen Risse. Weil sich jahrelang hinsichtlich der Renovierung wenig bewegte, bohrte auch der Kirchenvorstand immer wieder nach bei den Kirchenbehörden. Bis es im vergangenen Sommer dann endlich zum entscheidenden Durchbruch kam, getreu dem alten Sprichwort, steter Tropfen höhlt den Stein.

Zu einem Arbeitseinsatz treffen sich die Mitglieder des Kirchenvorstandes und freiwillige Helfer am Samstag, 9. Januar, ab 10 Uhr. Sie hoffen auf tatkräftige Bürger-Unterstützung. In Eigenleistung sollen die Sitzbänke aus der Kirche transportiert und in einer Scheune zwischengelagert werden.

 

Ich verkündige Euch große Freude

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke

Vor 70 Jahren wurden die neuen Glocken in Böddiger geweiht

Von Manfred Schaake

Böddiger. Die Geschichte der Glocken der evangelischen Friedenskirche in Böddiger ist eine Weihnachtsgeschichte. Am 4. Advent 1950 – Heilig Abend – wurden zwei neue Glocken geweiht. Für die Christen in Böddiger war Weihnachten vor 70 Jahren ein doppeltes Freudenfest. Die Finanzierung der neuen Glocken wurde als echtes Gemeinschaftswerk gewürdigt. Kirchenvorstand und Gemeindevertretung hatten die Anschaffung der Glocken gemeinsam beschlossen. Pfarrer Ernst Friedrich Schluckebier wird in der Andacht am 25.12.2020 auch zum Thema Glocken sprechen.

„Ein Festtag für das Edertal” – so lautete die Überschrift des Berichtes, den unser langjähriger Mitarbeiter Hans Eichel damals für unsere Zeitung schrieb. Viele Jahre hatten die Christen in Böddiger auf den Glockenklang verzichten müssen. Die Nationalsozialisten hatten 1943 zwei Glocken für Kriegszwecke beschlagnahmt. Sie kamen nicht mehr nach Böddiger zurück. Die älteste, kleine Glocke stammt aus dem Jahr 1746.

„Es war unwahrscheinlich, dass wir Weihnachten 1950 wieder neue Glocken hatten”, sagt der 92-jährige Karl Schäfer. Er ist in Böddiger geboren, lebt heute in Niedermöllrich, wo er 35 Jahre dem Kirchenvorstand angehörte. „Halb Böddiger war dabei, als die Glocken auf den Turm gezogen wurden”, sagt Schäfer heute. Und: „Unsere Freude über dieses schöne Weihnachtsgeschenk war riesengroß, weil ja viele Jahre nur die Bimbel geläutet hatte.” Die Bimbel – abgeleitet von Bimmel – war die übrig gebliebene kleine Glocke, die heute noch zum Geläut gehört.

Der ehemalige Einzelhandelskaufmann Schäfer hat ein so gutes Gedächtnis, dass er heute noch alle drei Strophen des Liedes aufsagt, das der Männerchor unter Leitung von Hans Eichel damals sang. Ein Auszug: „Von all den tausend Glocken, hat keine solche Macht, als wie der Klang der Glocke der heiligen Weihnacht...Der Heiland ist geboren, es freue sich die Welt.”

In einem Bericht über die Glockenweihe vor 70 Jahren heißt es, Böddiger habe 1943 „aus kriegsbedingten Gründen” sein „herrliches Geläute” verloren, das wegen seines vollen, harmonischen Klanges in der ganzen Umgebung bekannt gewesen sei. Zur Finanzierung des neuen Geläuts hatte Bürgermeister Adam Bähr auf Vorschlag der politischen und kirchlichen Vertreter einen Plan ausgearbeitet. Als die Glocken geweiht wurden, sagte Bähr, die Finanzierung sei der Geberfreudigkeit der Gemeinde zu verdanken. Bähr: „Mögen die neuen Glocken uns und allen, die nach uns kommen, zur Ehre Gottes läuten.”

Bis ins Detail hat der Glockenexperte Dennis Willershausen aus Homberg die Geschichte der Glocken aufgearbeitet. Der Homberger Glockengießer Henne Kortrog goss 1497 die erste für Böddiger datierte Glocke. Die Glocke trug das Wappen des Wallfahrtsortes Vierzehnheiligen mit 14 Nothelfern, Christuskind und Schild mit dem Zisterzienserwappen. Die zweite Glocke schuf 1725 der Hersfelder Gießer Constantin Ulrich. 1746 kam eine kleinere Glocke hinzu. Bernhard Donner aus Naumburg goss sie. Das ist die heute noch erhaltene „Bimbel”. Sie wird auch als Kinderglocke bezeichnet, weil sie morgens und zum Kindergottesdienst erklingt.

„Das historische Trio überlebte den Ersten Weltkrieg unbeschadet”, sagt Willershausen. 1939 wurde die Glocke von 1497 wegen eines Sprungs von der Gießerei F. W. Rincker Söhne in Sinn eingeschmolzen und neu gegossen.

Leider war sie nicht lange zu hören, denn sie musste während der Krieges gemeinsam mit der Glocke von 1725 die Kirche verlassen. Die 1950 geweihten Glocken mit den Tönen f’ und g’ tragen die Inschriften „Fürchtet Euch nicht! Siehe, ich verkündige Euch große Freude. 1724 Advent 1950” sowie „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke. 1497 Advent 1950.” Beide Glocken tragen also auch die Gusszahlen der im Krieg verschwundenen Klangkörper.

Friede sei ihr erst Geläute – diesen Wunsch äußerte vor 70 Jahren bei der Glockenweihe der Kreisdeputierte Julius Müller seitens des Kreises Melsungen. Und der Männergesangverein sang: Nun danket alle Gott.

Briloner Sonderbronze: Silizium statt Zinn

Das Besondere der beiden großen Glocken in Böddiger: Sie bestehen aus Briloner Sonderbonze. Die Gießerei Albert Junker, die von 1762 bis 1957 bestand, war bundesweit bekannt für dieses von ihr entwickelte Metall. „Die Briloner Sonderbronze ist eine Legierung aus 92 Prozent Kupfer und acht Prozent Silizium und wird daher auch die zinnfreie Bronze genannt”, erläutert der Glockenexperte Dennis Willershausen. Glockenbronze besteht aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn. Zinn war nach dem Krieg rar und teuer. Die Briloner Glocken, so Willershausen, klingen im Vergleich zu den richtigen Bronzeglocken sehr dumpf und kurzatmig. Es gebe allerdings  auch Ausnahmen. Die Glocken in Böddiger klingen nach dem Urteil des Fachmannes überdurchschnittlich klangvoll. Das gelte auch für Junker-Glocken in Mosheim und Spieskappel. Willershausens Vorschlag: In Böddiger sollten häufiger alle drei Glocken gemeinsam läuten.

Das sagt der Pfarrer

„Die Glocken geben unserem Dorf ein Klang-Bild, sie sind das akustische Gesicht Böddigers. Über die Jahrhunderte erinnern sie uns morgens, mittags und abends an die Gliederung des Tages und an den Lauf unseres Lebens, rufen uns zum Innehalten und Beten. Sie begleiten das Lachen und Weinen unseres Lebens bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen. Sie laden uns ein zum Gottesdienst.“

 

 

Altartuch aus altem Leinen

Hannelore Träbing schuf weiteren Schmuck für Friedenskirche

Von Manfred Schaake

Böddiger.  Hannelore Träbing hat zum dritten Mal Altarschmuck für die Friedenskirche in Böddiger geschaffen – diesmal ein Tuch aus altem Leinen. Die Kirchenvorsteherin liebt ihr Hobby, die Schwälmer Weißstickerei. Und sie stickt leidenschaftlich gern. Ihre Liebe zu Stoff, Nadel und Faden kommt nun zum dritten Mal ihrer Dorfkirche zugute. Aus altem Leinen entstand ein neues Schmuckstück für den Altar, das nun erstmals ausgelegt wurde.

Seit fast 25 Jahren ist Hannelore Träbing Mitglied des Kirchenvorstandes. Bereits 2000 stickte sie für den Altar und die Kanzel Weihnachtsantipendien. In 120 Stunden hat sie damals Stich für Stich mit weißem Faden Maria, Josef und das Jesuskind auf das blütenweiße Leinen gezaubert.

Im Sommer 2016 schuf sie aus einem alten Betttuch eine wunderschöne Altardecke, und nunmehr kam eine weitere Decke aus Leinen hinzu. Weil die alten Altardecken schon ziemlich marode waren, wie sie es formuliert, kam sie auf die Idee, ihr Hobby mit etwas Nützlichem zu verbinden. „Man kann aus alten Sachen etwas Schönes machen”, sagt Hannelore Träbing: „Der alte Leinenballen lag in der Ecke.” 70 Jahre und älter sei das Material, das von den Eltern ihres Vaters stammt – viel zu schade zum Wegwerfen. Rund 250 Arbeitsstunden hat sie diesmal in die Altardecke gesteckt. Weil sie mit dem Leinen für sich persönlich nichts anfangen konnte, dachte sie sich, mach mal wieder was für die Kirche.

Zunächst hat sie dem Leinen die Fäden gezogen, wie dies in der Fachsprach heißt. Vom Bündeln des Randes bis zum Hohlsaum waren sieben Arbeitsgänge erforderlich. Da waren einmal mehr viel Fingerspitzengefühl und Kreativität gefragt.

Alles ist Handarbeit. Der Hohlsaum entstand unter vielen tausend Stichen. „Es gab nicht einen einzigen Maschinenstich”, versichert Hannelore Träbing, die schon viele Decken in Schwälmer Weißstickerei geschaffen hat: „Es macht mir Spaß, wenn man sieht, dass daraus was wird.”

„Die neue Altardecks ist etwas ganz Besonderes”, lobt Kirchenvorsteherin Jutta Kunz aus Böddiger, und fügt hinzu: „Es ist ein außergewöhnliches Kunstwerk.”

Und auch Pfarrer Ernst Friedrich Schluckebier ist dankbar für diesen Altarschmuck: „Eine herrliche Initiative, die etwas baufällig gewordene Kirche liturgisch zu verschönern.” In ihrem Ehrenamt habe Hannelore Träbing eine hohe künstlerische Professionalität entwickelt, „sie pflegt damit die liturgische Kultur auf hohem Niveau”.

Der Pfarrer der beiden Kichengemeinden spricht von einem „schönen Schritt zur Pflege unserer Gottesdienstkultur”. Die neue Decke sei ein professionell gestaltetes Stück Kunsthandwerk, „das in die Geschichte unserer Kirche eingehen wird”. Und es passe gut zusammen, dass die neue Altardecke zur diesjährigen Konfirmation aufgelegt worden sei.

250 Arbeitsstunden hat Hannelore Träbing in die neue Altardecke investiert, die sie aus altem Leinen in Schwälmer Weißstickerei für die Friedenskirche in Böddiger geschaffen hat. Sieben verschiedene Arbeitsgänge und viele tausend Stiche waren erforderlich.

 

SCHREINEREI BÄHR SPENDET BÄNKE FÜR FRIEDHOFSKAPELLE

Zwei Bänke aus Eichenholz hat Schreinermeister Andreas Bähr für die Friedhofskapelle in Böddiger gespendet. Mit den beiden 2005 vom Gemischten Chor Böddiger gespendeten Bänken gibt es nunmehr bei Trauerfeiern mehr Sitzmöglichkeiten vor dem Gebäude.

"Wir wollten der Kirchengemeinde etwas Gutes tun", betonten Andreas Bähr und seine Frau Sandra Hilgenberg. Herzlichen Dank sagten die Kirchenvorsteherinnen Hannelore Träbing, Jutta Kunz und Marga Bartholmai aus Böddiger. "Das ist eine erfreuliche Dokumentation der Verbundenheit zwischen dem Handwerksbetrieb Bähr und der Evangelischen Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger", sagte Pfarrer Schluckebier.

 

 

VOLKSTRAUERTAG 2017

Am Volkstrauertag, Sonntag, den 19. November 2017, fand in unserer Friedenskirche Böddiger das gemeinsam von der Christen- und der Bürgergemeinde verantwortete Gedenken an die Opfer der Weltkriege und die der politischen Gewaltherrschaft unserer Zeiten statt. In diesem Gottesdienst und der damit verbundenen Feierstunde hielt Herr Gunter Veit eine Rede, die von der Gemeinde dankbar aufgenommen wurde und im Folgenden hiermit zusätzlich einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht werden möchte:

 

Liebe Gemeinde !

In unserem ganzen Land kommen heute Menschen in Kirchen, auf Friedhöfen oder an Ehrenmalen zusammen, um derer zu gedenken, die durch Gewalt ihr Leben lassen mussten oder Opfer wurden.

Gewalt ist allgegenwärtig – wir treffen sie  in unserem Land täglich und sind davon – ohne dass wir es oft recht wahrnehmen oder merken wollen – umfassend betroffen. Ihr zu begegnen, öffentlich über sie nachzudenken, ist Sinn dieses Jahrestages im November, den wir Volkstrauertag nennen.

Gewalt ist nicht nur allgegenwärtig, sie hat auch viele Gesichter und Erscheinungsformen.

Wir wollen in diesem Zusammenhang zunächst zurück in die Geschichte blicken. Dabei denken wir insbesondere an die beiden Kriege von 1914 -1918 und von 1939 - 1945 sowie stellvertretend für unzählige andere Kriegsereignisse aus aktuellem Anlass an die Geschehnisse im Nahen Osten, in Afrika oder in Afghanistan.

Für wieviele Menschen sind sie zum Schicksal geworden oder werden es tagtäglich immer noch. Versuchen wir uns vorzustellen, welch schreckliche Wirkungen diese Kriege hatten, welch unsagbare Trauer sie verursacht und welches seelische und materielle Elend sie hinterlassen haben. Wieviel menschliches Glück wurde damals zerstört, wievielen Hoffnungen wurde ein Ende bereitet, wieviele Talente und große Köpfe gingen verloren, wieviel Not entstand?

Diese Feststellungen und Fragen haben auch durch gegenwärtige Geschehnisse eine hochaktuelle Bedeutung.

Gewalt ist so alt wie die Menschheit, Krieg ist eine ihrer vielen Facetten. Um ihr begegnen zu können, muss man sich ihrer Ursachen bewusst werden. Einige der uns Geläufigen seien hier angesprochen und sollten jeden Einzelnen von uns dazu bringen, sich selbst einmal zu prüfen, inwieweit diese Kriterien ihn oder sie selbst betreffen. Ich nenne beispielhaft:  Nichtverstehen des Anderen, d.h. Unfähigkeit oder Unlust, sich in Denken und Handeln des Anderen hineinzuversetzen, mangelnde aktive und passive Kritikfähigkeit, Intoleranz gegenüber anderen Meinungen, Religionen und Kulturformen, zu hoher Vorrang der eigenen Meinung und vor allen Dingen: Nicht miteinander reden.

Keiner sage, das  betrifft mich nicht. Jeder von uns hat den Keim der Gewalt in sich und ist in seinem Leben auch schon einmal gewalttätig geworden. Gewalt wird leider immer noch in der kleinsten Keimzelle unserer gesellschaftlichen Ordnung, der Familie, vermittelt und angewendet. Sie setzt sich fort in Beziehungen, Beziehungsgeflechten, im Beruf, ja sogar unter Freunden. Wie oft werden heute noch Ehepartner und Kinder physisch und psychisch misshandelt, werden am Arbeitsplatz die übelsten Intrigen gesponnen, um beispielsweise die eigene Karriere zu begünstigen? Sind wir alle frei davon?

Konfliktfelder werden auch durch politische Entscheidungen und Weichenstellungen geschaffen. Hier sei beispielsweise das zunehmende soziale Ungleichgewicht angesprochen, das Neid, Begierden und kriminelle Energie hervorruft.

Gewalt in ihrer Erscheinungsform und ihrer regionalen Wirkung ist ein fließendes Phänomen.

Bei jedem Volkstrauertag werden immer wieder aktuelle Konflikte angesprochen. Viele von diesen sind im Zeitablauf gelöst oder beendet worden, andere sind neu entstanden oder dauern noch an.  Dies führt oft zu der Frage, ob solche Tage wie der heutige überhaupt noch sinnvoll sind. Ich denke, dass diese Frage bejaht werden muss. Gewalt ist eine Provokation für jede lebendige Gesellschaft, der man nicht mit Schweigen begegnen kann und darf. 

Wie oft schauen wir voll Unverständnis in Regionen dieser Erde, wo Menschen sich auf den Weg machen und ihre Heimat verlassen auf der Suche nach persönlichem Glück? Warum tun diese Menschen das? Viele von uns ballen - wenn diese unser Land betreten - die Faust, ärgern sich und gehen schließlich zur Tagesordnung über? Was soll’s? Uns geht es ja nach wie vor gut - was machen diejenigen, die in den letzten Jahren hier und in der Welt ärmer geworden sind - schon aus? Was  kümmern mich da schon die aus Afrika? 

Vielen – ich behaupte den meisten – ist nicht klar, dass beispielsweise Sozialabbau bis hin zur Verarmung breiter Schichten ebenfalls durch Ausübung von ungezügelter Macht und Gewalt entsteht. Dieses Beispiel möge stellvertretend für viele andere Triebfeder sein dafür, Gewalt immer wieder zu thematisieren und  in offener Diskussion gegen sie anzugehen.

Ich denke, dass Gewalt eine sehr subjektive Ursache hat. Gewalt kann nur erfolgreich bekämpft werden, wenn jeder oder jede von uns sich selbst als Ursache der Gewalt sieht. Das bedeutet, dass wir alle gefordert sind, erst einmal an uns zu arbeiten uns beispielsweise von Gewaltgedanken zu befreien und diese durch Gedanken der Hochachtung und Zuneigung zu ersetzen.

Wir alle wissen, dass absolute Harmonie unter Menschen kaum denkbar ist. Dennoch kann jeder von uns durch sein Verhalten helfen, die Welt ein wenig freundlicher und friedlicher zu machen. Dazu anzuregen, einen Denkanstoß zu geben, soll dieser Tag auch dienen, soll diese Stunde beitragen.

Der Kampf für mehr Frieden muss Leitgedanke unseres Handelns sein.

Der sinnlose Tod und das Leiden vieler müssen uns Ansporn sein, konsequent für den Frieden und gegen die Gewalt einzutreten.

Wir gedenken der Opfer, wir trauern um sie.

 

  

 

 

Aus Betttuch wird Altardecke

Kirchenvorsteherin Hannelore Träbing schuf Schmuck für Friedenskirche

von Manfred Schaake

Böddiger. Hannelore Träbing aus Böddiger liebt ihr Hobby, die Schwälmer Weißstickerei. Aus einem alten Betttuch hat sie ein Schmuckstück geschaffen - eine Altardecke für die Friedenskirche ihrer Heimatgemeinde. Im Gottesdienst am Sonntag, 18. Oktober 2016, ab 10 Uhr wird die neue Decke in Verbindung mit der Goldenen Konfirmation gewidmet und erstmals auf dem Altar ausgelegt.

Seit über 20 Jahren ist Hannelore Träbing Mitglied des Kirchenvorstandes der Evangelischen Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger. Im Jahr 2000 hatte sie schon einmal ein Weihnachtsantependium für den Altar geschaffen. Weil die alten Altardecken schon ziemlich marode waren, wie sie es formuliert, kam sie auf die Idee, ihr Hobby mit etwas Nützlichem zu verbinden. "Man kann auch aus alten Sachen etwas Schönes machen", sagt Hannelore Träbing. Das viele Jahrzehnte alte Leinen-Betttuch war zu schade zum Wegwerfen. Regina Kirchhof aus Böddiger stellte es zur Verfügung. 250 Arbeitsstunden hat Hannelore Träbing in die Altardecke in Schwälmer Weißstickerei gesteckt. Zunächst hat sie die Fäden gezogen, wie dies in der Fachsprache heißt. Vom Bündeln des Randes bis zum Hohlsaum. "Es gab nicht einen einzigen Maschinenstich", betont die Handarbeiterin, die schon sehr viele Decken in Schwälmer Weißstickerei geschaffen hat: "Es macht mir Spaß, wenn man sieht, dass daraus was wird."

"Diese Altardecke ist etwas ganz Besonderes", lobt Kirchenvorsteherin Jutta Kunz aus Böddiger. Und auch Pfarrer Ernst Friedrich Schluckebier ist dankbar für diesen ganz besondren Altarschmuck: "Eine herrliche Initiative, die etwas baufällig gewordene Kirche liturgisch zu verschönern." Der Pfarrer der beiden Kirchengemeinden spricht von einem "schönen Schritt zur Pflege unserer Gottesdienstkultur". Und es passe gut zusammen, dass die neue Altardecke zur Goldenen Konfirmation der Jahrgänge 1964 bis 1966 erstmals aufgelegt werde. Schluckebier: "Die Decke ist ein professionell gestaltetes Stück Kunsthandwerk." 

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Das sagte der Pfarrer:

"Sehr geehrte Frau Kirchenvorsteherin Hannelore Träbing,

Sie haben unserer Evangelischen Friedenskirche zu Böddiger eine Altardecke gestiftet.

In einer kunst-handwerklich kompetenten Weise haben Sie in Stil und Form der in unserer kurhessischen Heimat überlieferten handarbeitlichen Tradition der "Althessischen Schwälmer Weißstickerei" ein Schmuckstück geschaffen.

Nachdem Frau Regina Kirchhof das dieser Arbeit zugrunde liegende Leinentuch gespendet hat - wofür wir ihr hier an dieser Stelle ausdrücklich Dank sagen - haben Sie, liebe Frau Träbing, mit akribischer Sorgfalt, mit Liebe zum Detail und mit der Ausdauer eines Arbeitspensums von rund 250 Stunden dieses Werk hergestellt und künstlerisch vollendet geschaffen.

Am heutigen Sonntag, den 18. September 2016, anlässlich der Feier der goldenen Konfirmation, widmen wir diese Altardecke im Festgottesdienst der Friedenskirche zu Böddiger. Wir übergeben sie hiermit ihrer liturgischen Bestimmung und übernehmen sie zum gottesdienstlichen Gebrauch.

Möge diese Altardecke stets zur Pflege der gottesdienstlichen Kultur in unserer Kirche zum Segen der Gemeinde fortan dienen.

Für Ihre handwerklich-professionelle Arbeit und die darin enthaltene außerordentliche Leistung für unsere Kirche und Gemeinde sprechen wir Ihnen namens des Vorstandes der Evangelischen Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger unser aller Lob und Dank und unsere besondere Anerkennung für Ihre Verdienste aus.

Böddiger, am 17. Sonntag nach Trinitatis

Für den Kirchenvorstand

Schluckebier

Pfarrer
Vorsitzender

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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