Mauern atmen wieder

 

Instandsetzungsarbeiten an der Felsberger Nikolaikirche

 

Das Thema

Für 14 000 Euro wird historisches Gemäuer der Nikolaikirche in  Felsberg restauriert. Feuchtigkeit soll aus den alten Basaltmauern im Turmeingang austreten können. Das Mauerwerk kann nun wieder richtig atmen.

Von Manfred Schaake

 

Felsberg. Uralten Mauern unserer Baudenkmäler geht es wie den Menschen: Sie müssen richtig atmen können. Dafür sorgen an der Felsberger Nikolaikirche Bausanierer und Denkmalpfleger. Eine Fachfirma aus Waldkappel saniert für 14 000 Euro das Basaltmauerwerk im Turmeingang und an der Südwestseite des Gotteshauses. Eine so genannte Wasser-Entsorgungszone im Eingangsbereich sorgt nach den Worten von Architekt Jürgen Bauer und Pfarrer Ernst Friedrich Schluckebier dafür, dass die Mauern nun wieder atmen.

 

Feuchtigkeit war permanent in den Mauern aufgestiegen, weil es keine waagerechten Sperrschichten gibt. Das Wasser will raus, und der nicht atmungsaktive Putz fällt ab. „Die Feuchtigkeit drückt den  Putz nach innen weg”, erläutert Architekt Bauer. Im Vorraum mit der Gedenktafel für die Opfer der Kriege hatte es deshalb auch muffig gerochen. Damit ist es nun vorbei. Bis zu zwei Meter Höhe wurde im unteren Teil des Glockenturms der marode Putz abgenommen. Der alte Fugenmörtel des Mauerwerks wurde bis zu fünf Zentimeter tief herausgenommen. Mit einem Gemisch aus Kalk, Sand und Wasser wurde nun neu verfugt – ohne Zement.

 

Kalkspatzenmörtel nennen die Bausanierer das Mörtel-Gemisch, das auch schon bei der aufwändigen Sanierung der Felsburg verwendet worden war. Damals hieß es, dieser Mörtel sei so weich, dass ihn die Spatzen herauspicken können. Der Kalkspatzenmörtel wurde speziell für die Instandsetzung und Restaurierung historischer Gebäude entwickelt. Unter Kalkspatzen versteht man die für viele historische Mörtel charakteristischen Kalkknöllchen.

 

Bereits vor einem Jahr war der Putz im Turmeingang abgeschlagen worden. Nunmehr ist auch das Geld für die Verfugung bewilligt. Architekt Bauer gerät beim Blick auf die Fugen geradezu ins Schwärmen: „Das sieht optisch Klasse aus und es funktioniert, was die Hydro-Entsorgung angeht. Und die schöne alte Mauerkonstruktion ist nun wieder sichtbar.” Und der Kirchenvorstand war nach einer Baustellenbesichtigung der einhelligen Meinung: „Das ist toll, es sieht richtig gut aus.”

 

Auch der Sockel der Südwestseite der Kirche wird nun neu verfugt. Der Mörtel bis zu 1,10 Meter hoch kaputt. Ursache war das Streusalz. Nach der Neuverfugung muss man nunmehr dafür sorgen, dass das Salz vom Streuteller nicht mehr gegen die Mauer geschleudert wird. Das funktioniert nur, wenn man künftig sorgfältig mit der Hand streut. „Darum bittet der Kirchenvorstand die Stadt”, lautet der einstimmige Beschluss.

 

 

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