Neuer Glanz für altes Glas

Buntglasfenster der Felsberger Nikolaikirche sollen restauriert werden

Von Manfred Schaake

 

Felsberg/Böddiger. Mit Hilfe von Spenden aus dem so genannten freiwilligen Gemeindebeitrag sollen die Buntglasfenster der evangelischen Nikolaikirche in Felsberg restauriert werden. „Vorgesehen ist eine vorsichtige Sanierung maroder Teile”, erläuterte Pfarrer Ernst Friedrich Schluckebier in einem HNA-Gespräch.

Mit dem Altar und dem Kreuz mit der Christusfigur eines oberbayerischen Schnitzers und dem Flügelaltar sind die Buntglasfenster im Chorraum ein echter Hingucker. Je nach Lichteinstrahlung ergeben sich beim Sonntagmorgengottesdienst bei Sonnenschein wunderschöne Farbenspiele, und die Sonne wirft die Farben zeitweise auch auf die hellen Wände.

Die Fenster stammen aus den 1960-er Jahren und sollen restauriert werden. Für die Fenster und andere Vorhaben bittet der Vorstand des Evangelischen Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger schon seit mehreren Jahren um Spenden. Über insgesamt 37 000 Euro haben Christen aus Felsberg und Böddiger seit der Einführung des Freiwilligen Gemeindebeitrages 2010 für die Unterstützung kirchlicher Vorhaben gespendet. 

In diesem Jahr bittet der Kirchenvorstand nochmals um weitere Unterstützung für die Sanierung der Friedenskirche Böddiger und die Restaurierung der Buntglasfenster in Felsberg. Wie berichtet, hofft der Kirchenvorstand für 2018 mit der Sanierung der Kirche in Böddiger.

Mit dem Spendenaufkommen gehören Felsberg und Böddiger zur Spitzengruppe des Kirchenkreises Melsungen mit über 40 Gemeinden. Die Spenden der etwa 2000 Christen zählenden Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger sei kontinuierlich erfreulich, formuliert Pfarrer Schluckebier: „Das ist sehr gut für unsere Gemeinde.”

Die Stetigkeit für das Spendenaufkommen habe man zunächst nicht erwarten können. Der Kirchenvorstand sei sehr dankbar dafür, „dass die Menschen die Projekte ihrer eigenen Gemeinde im Blick haben und über die eigentliche Kirchensteuer hinaus gern fördern”.

Gespendet wurde bisher unter anderem für die Jugendarbeit, den Flügelaltar und die geplante energetische Verbesserung des Schwester-Frieda-Kerl-Hauses. Das nach der Diakonisse benannte Gemeindehaus wird für viele öffentliche Veranstaltungen, von Vereinen und für Familienfeiern genutzt.

Im Spendenaufruf für 2017 betont der Pfarrer, dass über das Jahr plötzlich und unerwartet Schäden an den Kirchen und dem Gemeindehaus und deren Einrichtungen auftreten können, die dringend behoben werden müssen, für die aber kein Geld eingeplant werden konnte: „Hier sind wir auf eine flexible Regulierung angewiesen.” Im Rahmen des Freiwilligen Gemeindebeitrages können die Christen laut Schluckebier mit dazu beitragen, dass unter der Zweckbestimmung „allgemeine Gemeindearbeit” bereits vorsorglich Spenden zur Verfügung stehen.

Spenden: Evangelische Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger, IBAN: DE90 5206 0410 0002 1221 03. BIC: GENODEF1EK1, Evangelische Bank eG Kassel.

 

 

Mauern atmen wieder

 

Instandsetzungsarbeiten an der Felsberger Nikolaikirche

 

Das Thema

Für 14 000 Euro wird historisches Gemäuer der Nikolaikirche in  Felsberg restauriert. Feuchtigkeit soll aus den alten Basaltmauern im Turmeingang austreten können. Das Mauerwerk kann nun wieder richtig atmen.

Von Manfred Schaake

 

Felsberg. Uralten Mauern unserer Baudenkmäler geht es wie den Menschen: Sie müssen richtig atmen können. Dafür sorgen an der Felsberger Nikolaikirche Bausanierer und Denkmalpfleger. Eine Fachfirma aus Waldkappel saniert für 14 000 Euro das Basaltmauerwerk im Turmeingang und an der Südwestseite des Gotteshauses. Eine so genannte Wasser-Entsorgungszone im Eingangsbereich sorgt nach den Worten von Architekt Jürgen Bauer und Pfarrer Ernst Friedrich Schluckebier dafür, dass die Mauern nun wieder atmen.

 

Feuchtigkeit war permanent in den Mauern aufgestiegen, weil es keine waagerechten Sperrschichten gibt. Das Wasser will raus, und der nicht atmungsaktive Putz fällt ab. „Die Feuchtigkeit drückt den  Putz nach innen weg”, erläutert Architekt Bauer. Im Vorraum mit der Gedenktafel für die Opfer der Kriege hatte es deshalb auch muffig gerochen. Damit ist es nun vorbei. Bis zu zwei Meter Höhe wurde im unteren Teil des Glockenturms der marode Putz abgenommen. Der alte Fugenmörtel des Mauerwerks wurde bis zu fünf Zentimeter tief herausgenommen. Mit einem Gemisch aus Kalk, Sand und Wasser wurde nun neu verfugt – ohne Zement.

 

Kalkspatzenmörtel nennen die Bausanierer das Mörtel-Gemisch, das auch schon bei der aufwändigen Sanierung der Felsburg verwendet worden war. Damals hieß es, dieser Mörtel sei so weich, dass ihn die Spatzen herauspicken können. Der Kalkspatzenmörtel wurde speziell für die Instandsetzung und Restaurierung historischer Gebäude entwickelt. Unter Kalkspatzen versteht man die für viele historische Mörtel charakteristischen Kalkknöllchen.

 

Bereits vor einem Jahr war der Putz im Turmeingang abgeschlagen worden. Nunmehr ist auch das Geld für die Verfugung bewilligt. Architekt Bauer gerät beim Blick auf die Fugen geradezu ins Schwärmen: „Das sieht optisch Klasse aus und es funktioniert, was die Hydro-Entsorgung angeht. Und die schöne alte Mauerkonstruktion ist nun wieder sichtbar.” Und der Kirchenvorstand war nach einer Baustellenbesichtigung der einhelligen Meinung: „Das ist toll, es sieht richtig gut aus.”

 

Auch der Sockel der Südwestseite der Kirche wird nun neu verfugt. Der Mörtel bis zu 1,10 Meter hoch kaputt. Ursache war das Streusalz. Nach der Neuverfugung muss man nunmehr dafür sorgen, dass das Salz vom Streuteller nicht mehr gegen die Mauer geschleudert wird. Das funktioniert nur, wenn man künftig sorgfältig mit der Hand streut. „Darum bittet der Kirchenvorstand die Stadt”, lautet der einstimmige Beschluss.

 

 

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