VOLKSTRAUERTAG 2017

 

Am Volkstrauertag, Sonntag, den 19. November 2017, fand in unserer Nikolaikirche Felsberg das gemeinsam von der Christen- und der Bürgergemeinde verantwortete Gedenken an die Opfer der Weltkriege und die der politischen Gewaltherrschaft unserer Zeiten statt. In diesem Gottesdienst und der damit verbundenen Feierstunde hielt Herr Ortsvorsteher Klaus Döll eine Rede, die von der Gemeinde dankbar aufgenommen wurde und im Folgenden hiermit zusätzlich einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht werden möchte:

 

 

„Frieden und Freiheit, das sind die Grundlagen jeder menschenwürdigen Existenz“.

Fast selbstverständlich, sollte man meinen.

 

Mit diesem Wort von Konrad Adenauer, dem ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, möchte ich Sie zum heutigen Gedenken zum Volkstrauertag begrüßen.

Ich danke Ihnen, dass Sie heute hier zum Gedenkgottesdienst gekommen sind, um der  vielen Frauen, Männer  und Kinder aus unserem Land und aus vielen anderen Ländern zu gedenken, die Opfer von Krieg und Gewalt geworden sind.

Viele dieser Menschen mussten viel zu jung sterben, weil Frieden und Freiheit der Boden entzogen worden war. Weil eben dies nichts Selbstverständliches war.

Wir erinnern heute  an die schlimmsten Zeiten deutscher Geschichte, an die beiden Weltkriege und besonders die Nazidiktatur.

Der Zweite Weltkrieg und die NS-Diktatur liegen lange zurück, aber ihre Schatten reichen bis heute.

Die Aufarbeitung der Vergangenheit, Spurensuche, Gedenken, Erinnern und die Kenntlichmachung und Bejahung des auch jüdischen Lebens  findet nach vielen Jahren nun auch in Felsberg statt. Ich nenne nur den Robert-Weinstein-Platz, das Robert-Weinstein-Haus und vor allem die jüdische Synagoge, aus der nach jahrzehntelangem Gaststättenbetrieb wieder ein neues jüdisches Haus und eine Gedenk- und Kulturstätte werden soll.

Der Volkstrauertag als jährlicher Gedenktag verliert jedoch seinen Wert, wenn er  nur für rückwärts gerichtetes Gedenken steht. Er soll unseren Blick nach vorne, das heißt auf die Gegenwart richten.

Am heutigen Tag gedenken wir gleichfalls der Opfer aus unserem Land und vielen anderen Ländern, die die Kämpfe und Gewaltausbrüche unserer unmittelbaren Gegenwart gefordert haben. Für uns schon Geschichte, für die Menschen vor Ort noch unmittelbare Gegenwart sind die schrecklichen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien. Die strafgerichtliche Auseinandersetzung findet immer noch in Den Haag statt.

Aktuell ist es besonders der Nahe Osten, der uns die Schrecken des Krieges vor Augen führt.

Es ist bitter, doch der Unfriede zwischen Israel und seinen Nachbarn ist für uns seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit, die wir selbst bei Attentaten als eine Randnotiz zur Kenntnis nehmen.

Direkt berührt werden wir aktuell durch die Flüchtlingsströme und Flüchtlingsbewegungen aus den afrikanischen Mittelmeeranrainerstaaten, besonders aus Syrien und den Flüchtlingen, die aus den weiten Afrikas über das Mittelmeer zu uns hinüber schwappen. Auch jetzt, wo wir uns zu einer stillen Stunde des Innehaltens, der Trauer und des Erinnerns versammelt haben, kämpfen diese Menschen um ihr Leben und sind in ihrer Freiheit bedroht.

Die Frage nach Krieg und Frieden ist aktuell geblieben und der Krieg, alle Konflikte  dieser Welt, werden uns jeden Abend frei Haus  mit der Tagesschau ins Wohnzimmer geliefert.

Die Flüchtlingsströme aus aller Welt machen eines deutlich – Frieden ist noch lange nicht.

Die Bundeskanzlerin, Frau Angela Merkel, hat mit ihrem Satz: „Wir schaffen das!“ heftige Diskussionen ausgelöst.

Sicher können wir Deutsche diese Probleme  nicht allein lösen. Wo jedoch ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Mich machen deshalb zwei Dinge zornig: Es ist zum einen die Gleichgültigkeit gegenüber den menschlichen Schicksalen, mit der viele Staaten sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen wehren.

Zum anderen bin ich zornig und enttäuscht darüber, dass sich die Parteien, die jetzt in der Bundesrepublik die neue Regierung bilden wollen,  nicht darauf einigen können, dass die Familien von Flüchtlingen nachziehen können. Es ist ein Menschenrecht, dass Familien, d.h. Eltern mit ihren Kindern  zusammen leben können.

Die ganz überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung erlebt die kriegerischen Auseinandersetzungen aus der sicheren Distanz, auch wenn

IS -Terror uns inzwischen erreicht hat und auch wir in Deutschland Ziel von Attentaten geworden sind.

Es gibt jedoch auch etliche Menschen aus der Bundesrepublik, Väter, Mütter, Kinder, Verwandte, Nachbarn und Freunde, nämlich Soldatinnen und Soldaten, die sich seit fast 20 Jahren für Deutschland an internationalen Einsätzen zur Eindämmung von Krisen und Konflikten beteiligen.

Sie alle tun dies auch, um für uns den Frieden und die Freiheit  zu bewahren, die uns seit nunmehr über 70 Jahren ein Leben in Sicherheit und Wohlstand geschenkt haben.

Gerade wir wissen aus unserer Geschichte sehr genau, dass Freiheit und Demokratie nicht von allein entstehen und nicht von allein erhalten bleiben. Freiheit und Demokratie brauchen vielmehr Menschen, die sie erkämpfen und bewahren, die sie schützen und stärken. Die Werte, die wir schätzen und die die Grundlage unserer Gesellschaft bilden, sie sind keine selbstverständlichen Güter.

Deshalb gilt besonders ihnen, unseren Soldatinnen und Soldaten,  unser heutiges besonderes Gedenken, unser Dank und die Anerkennung für den Einsatz Ihres Lebens für den Erhalt unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung, zu Hause in Deutschland oder in den Ländern der Welt.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und bitte Sie, nun mit mir der Toten zu gedenken, wenn ich als Symbol für dieses Gedenken den Kranz der Stadt Felsberg zu diesem Anlass in seinen Schleifen entfalte.

 

Klaus Döll,

Ortsvorsteher

 

 

Neuer Glanz für altes Glas

Buntglasfenster der Felsberger Nikolaikirche sollen restauriert werden

Von Manfred Schaake

 

Felsberg/Böddiger. Mit Hilfe von Spenden aus dem so genannten freiwilligen Gemeindebeitrag sollen die Buntglasfenster der evangelischen Nikolaikirche in Felsberg restauriert werden. „Vorgesehen ist eine vorsichtige Sanierung maroder Teile”, erläuterte Pfarrer Ernst Friedrich Schluckebier in einem HNA-Gespräch.

Mit dem Altar und dem Kreuz mit der Christusfigur eines oberbayerischen Schnitzers und dem Flügelaltar sind die Buntglasfenster im Chorraum ein echter Hingucker. Je nach Lichteinstrahlung ergeben sich beim Sonntagmorgengottesdienst bei Sonnenschein wunderschöne Farbenspiele, und die Sonne wirft die Farben zeitweise auch auf die hellen Wände.

Die Fenster stammen aus den 1960-er Jahren und sollen restauriert werden. Für die Fenster und andere Vorhaben bittet der Vorstand des Evangelischen Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger schon seit mehreren Jahren um Spenden. Über insgesamt 37 000 Euro haben Christen aus Felsberg und Böddiger seit der Einführung des Freiwilligen Gemeindebeitrages 2010 für die Unterstützung kirchlicher Vorhaben gespendet. 

In diesem Jahr bittet der Kirchenvorstand nochmals um weitere Unterstützung für die Sanierung der Friedenskirche Böddiger und die Restaurierung der Buntglasfenster in Felsberg. Wie berichtet, hofft der Kirchenvorstand für 2018 mit der Sanierung der Kirche in Böddiger.

Mit dem Spendenaufkommen gehören Felsberg und Böddiger zur Spitzengruppe des Kirchenkreises Melsungen mit über 40 Gemeinden. Die Spenden der etwa 2000 Christen zählenden Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger sei kontinuierlich erfreulich, formuliert Pfarrer Schluckebier: „Das ist sehr gut für unsere Gemeinde.”

Die Stetigkeit für das Spendenaufkommen habe man zunächst nicht erwarten können. Der Kirchenvorstand sei sehr dankbar dafür, „dass die Menschen die Projekte ihrer eigenen Gemeinde im Blick haben und über die eigentliche Kirchensteuer hinaus gern fördern”.

Gespendet wurde bisher unter anderem für die Jugendarbeit, den Flügelaltar und die geplante energetische Verbesserung des Schwester-Frieda-Kerl-Hauses. Das nach der Diakonisse benannte Gemeindehaus wird für viele öffentliche Veranstaltungen, von Vereinen und für Familienfeiern genutzt.

Im Spendenaufruf für 2017 betont der Pfarrer, dass über das Jahr plötzlich und unerwartet Schäden an den Kirchen und dem Gemeindehaus und deren Einrichtungen auftreten können, die dringend behoben werden müssen, für die aber kein Geld eingeplant werden konnte: „Hier sind wir auf eine flexible Regulierung angewiesen.” Im Rahmen des Freiwilligen Gemeindebeitrages können die Christen laut Schluckebier mit dazu beitragen, dass unter der Zweckbestimmung „allgemeine Gemeindearbeit” bereits vorsorglich Spenden zur Verfügung stehen.

Spenden: Evangelische Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger, IBAN: DE90 5206 0410 0002 1221 03. BIC: GENODEF1EK1, Evangelische Bank eG Kassel.

 

 

Mauern atmen wieder

Instandsetzungsarbeiten an der Felsberger Nikolaikirche


Das Thema

Für 14 000 Euro wird historisches Gemäuer der Nikolaikirche in  Felsberg restauriert. Feuchtigkeit soll aus den alten Basaltmauern im Turmeingang austreten können. Das Mauerwerk kann nun wieder richtig atmen.

Von Manfred Schaake

Felsberg. Uralten Mauern unserer Baudenkmäler geht es wie den Menschen: Sie müssen richtig atmen können. Dafür sorgen an der Felsberger Nikolaikirche Bausanierer und Denkmalpfleger. Eine Fachfirma aus Waldkappel saniert für 14 000 Euro das Basaltmauerwerk im Turmeingang und an der Südwestseite des Gotteshauses. Eine so genannte Wasser-Entsorgungszone im Eingangsbereich sorgt nach den Worten von Architekt Jürgen Bauer und Pfarrer Ernst Friedrich Schluckebier dafür, dass die Mauern nun wieder atmen.

Feuchtigkeit war permanent in den Mauern aufgestiegen, weil es keine waagerechten Sperrschichten gibt. Das Wasser will raus, und der nicht atmungsaktive Putz fällt ab. „Die Feuchtigkeit drückt den  Putz nach innen weg”, erläutert Architekt Bauer. Im Vorraum mit der Gedenktafel für die Opfer der Kriege hatte es deshalb auch muffig gerochen. Damit ist es nun vorbei. Bis zu zwei Meter Höhe wurde im unteren Teil des Glockenturms der marode Putz abgenommen. Der alte Fugenmörtel des Mauerwerks wurde bis zu fünf Zentimeter tief herausgenommen. Mit einem Gemisch aus Kalk, Sand und Wasser wurde nun neu verfugt – ohne Zement.

Kalkspatzenmörtel nennen die Bausanierer das Mörtel-Gemisch, das auch schon bei der aufwändigen Sanierung der Felsburg verwendet worden war. Damals hieß es, dieser Mörtel sei so weich, dass ihn die Spatzen herauspicken können. Der Kalkspatzenmörtel wurde speziell für die Instandsetzung und Restaurierung historischer Gebäude entwickelt. Unter Kalkspatzen versteht man die für viele historische Mörtel charakteristischen Kalkknöllchen.

Bereits vor einem Jahr war der Putz im Turmeingang abgeschlagen worden. Nunmehr ist auch das Geld für die Verfugung bewilligt. Architekt Bauer gerät beim Blick auf die Fugen geradezu ins Schwärmen: „Das sieht optisch Klasse aus und es funktioniert, was die Hydro-Entsorgung angeht. Und die schöne alte Mauerkonstruktion ist nun wieder sichtbar.” Und der Kirchenvorstand war nach einer Baustellenbesichtigung der einhelligen Meinung: „Das ist toll, es sieht richtig gut aus.”

Auch der Sockel der Südwestseite der Kirche wird nun neu verfugt. Der Mörtel bis zu 1,10 Meter hoch kaputt. Ursache war das Streusalz. Nach der Neuverfugung muss man nunmehr dafür sorgen, dass das Salz vom Streuteller nicht mehr gegen die Mauer geschleudert wird. Das funktioniert nur, wenn man künftig sorgfältig mit der Hand streut. „Darum bittet der Kirchenvorstand die Stadt”, lautet der einstimmige Beschluss.

 

 

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