Flügelaltar Nikolaikirche Felsberg

 

www.fluegelaltar.de

 

 

Verfasser: Pfarrer i. R. Friedrich Werner

Seit Weihnachten 2006 sind Weihnachts- und Osterrelief, die Bildhauer und Architekt  Andreas Tollhopf, Kassel, gearbeitet hat, vom Antependium, also vor dem Altar stehend, zum Flügelaltar erhoben. Die Nikolaikirche Felsberg besitzt jetzt ein filigranes Kunstwerk in naturbelassenem Eichenholz und gewachstem fahr- und drehbarem Stahlgestell, welches Kunstschmiedemeister Michael Possinger, Guxhagen, geschaffen hat. Flügelaltäre sind eine auch niederländische, besonders auch norddeutsche Sonderform eines Altaraufsatzes, Retabel, genannt. Auch die Nikolaikirche Felsberg besitzt nun einen Flügelaltar, richtigerweise gesagt allerdings: Der Weg zum künstlerisch fertigen Flügelaltar muss noch erfolgreich gegangen, sprich, finanziert werden.

Seit Weihnachten 2006 kann jeder hier sehen, wie ein Flügelaltar gehandhabt wird, damit er dem Gebet und den dargestellten biblischen Erzählungen an allen Sonntagen und Festen des Kirchenjahres dienen kann.  Diese Sonderform des Altaraufsatzes ermöglicht in ihrer Abwechslung, sich in jeder Kirchenjahreszeit auf ein anderes Bild einzustellen. Die Flügel an einem solchen Altar werden nämlich auf- und zugeklappt, weshalb man den Altar auch Klappaltar nennen darf. In Felsberg ist diese Variabilität noch in einer wahrscheinlich erst- und einmaligen Weise gesteigert worden: Kunstschmiedemeister Michael Possinger, Guxhagen, hat zusammen mit Bildhauer Andreas Tollhopf, Kassel, die Idee von Pfarrer Friedrich Werner, Felsberg, verwirklicht, sowohl einen Klapp- als auch einen Drehaltar herzustellen. Der ganze Altar, bestehend aus sehr schwerem Eichenholz, besitzt nicht nur an je beiden Seiten einen Flügel, sondern zwei, insgesamt also vier. Und der ganze Altar wurde mittig auf einem Kugellager platziert, so dass er ganz leicht drehbar ist. Bemerkenswert sind auch die von Michael Possinger geschmiedeten Scharniere, die, kaum sichtbar, die schwere Last der Flügel tragen und deren Schwenkbarkeit eine kaum glaubliche Leichtigkeit verleihen. Damit aber mit der Flexibilität immer noch nicht genug, denn das Kunstwerk steht auch noch fahrbar auf in den im Fussboden eingelassenen Schienen, so dass der Bilderaltar auch näher zum Tischaltar oder weiter nach hinten an die Wand des Chorraums geschoben werden kann, damit bei Bedarf, wie z. B. bei Chor- oder Orchesterkonzerten oder bei der Wandelkommunion, der nicht gerade üppige Altarraum voll genutzt werden kann.

Stolz ist man in Felsberg auch darauf, dass Andreas Tollhopfs Reliefbildhauerkunst eine zeitgenössische ist. Flügelaltäre von Künstlern unserer Zeit sind eine Rarität auf der Welt. Denkt man z. B. nur an den berühmten Isenheimer Altar, stets stammt die Kunst aus früheren Jahrhunderten, und der Isenheimer Altar steht zudem demontiert und entfaltet in einem Museum.

Die Methode, Bilder, auf welchem Material auch immer, Holz, Stein oder Metall, als Reliefs zu arbeiten, ist Jahrtausende alt und besonders in den Ursprungsländern unserer Religion, nämlich dem sogenannten fruchtbaren Halbmond, den Ländern an Euphrat und Tigris über Israel bis an den Nil beheimatet. Wie ein Halbmond legen sich die Länder der Buchreligionen um die arabische Wüste. Die Reliefkunst kann die Bilder auf dem Material erhöht aufbringen, dann wird das Material rings um die Bilder ausgehauen, oder das Relief wird so gehauen, dass die Bilder in das Material hinein gearbeitet werden. Andreas Tollhopf hat auf geniale Weise beide Reliefmöglichkeiten in sich vereinigt.

Gearbeitet hat er Negativreliefs, aber bei geeigneter Beleuchtung entsteht der optische Eindruck, es sei ein Positivrelief. Und außerdem kann für unser Auge der Effekt entstehen, dass der Eindruck positiv oder negativ umspringt, sogar zwischen den dargestellten Personen unterschiedlich wahrgenommen wird. Dieser Effekt dient ganz besonders der meditativen Betrachtung, ist möglicherweise auch von der jeweiligen Befindlichkeit des Betrachters abhängig. Ob überhaupt jemals ein Künstler diesen Effekt bewusst gestaltet und erfunden hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Die beiden Hauptwerke, das Weihnachts- und das Osterrelief dienen seit 1998 bzw. 2002 der Meditation des Betrachters. Mit den Flügeln sollen Ostern und Weihnachten zu einem prächtig aufgeklappten Gesamtbild erweitert werden, zu Weihnachten bestimmt noch durch die Darstellung der Hirten und der Weisen, zu Ostern wird möglicherweise ein Blick aus dem leeren Grab in die Zukunft hinein und eine Pfingstdarstellung folgen. Und zugeklappt und bescheidener in der Darstellung fehlen noch die Advents-, die Passions- und die lange Trinitatiszeit über den Sommer hinweg. Für Passions- und Trinitatiszeit hat der Kirchenvorstand am 17.01.2007 zusammen mit dem Bildhauer beschlossen, das Gründonnerstagsabendmahl und Jesu Taufe am Jordan bald fertigzustellen. Zugeklappt hat der Altar dann nur die Größe der Reliefs, wie wir sie bisher kannten, aufgeklappt aber, wie die Flügel eines Adlers in der Weihnachtszeit und in der Osterzeit - mit Pfingsten - in dann doppelter Größe. Ein Bild wird, wenn der Flügelaltar einmal vollendet sein wird, an jedem Sonn- und Feiertag zu sehen sein.

 

Meditative Bildbeschreibung von Weihnachts- und Osterrelief sowie der Montage des Flügelaltars finden Sie auf den nächsten Seiten bis hin zum aktuellen Stand des Projekts "Flügelaltar Felsberg".



Spenden für den Flügelaltar sind hoch willkommen und werden selbstverständlich zur Lohn-, bzw. Einkommensteuererklärung belegt:

Bankverbindung: Kirchenkreisamt Melsungen, EKK  (BLZ:  520 604 10) Kto: 2 900 106, Stichwort  unerlässlich:  "Flügelaltar  Felsberg" 
Vielen Dank!
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