Böddiger, evangelische Friedenskirche

Das aktuelle Geläut besteht aus folgenden Glocken:

Nr.

Schlagton

Gussjahr

Gießer

Material

1

f’

1950

Albert Junker sr., Brilon

Briloner Sonderbronze

2

g’

1950

Albert Junker sr., Brilon

Briloner Sonderbronze

3

f’’ (erhöht)

1746

Bernhard Donner, Naumburg

Bronze

 Im Jahre 1497 goss der Homberger Glockengießer Henne Kortrog die erste für Böddiger datierte Glocke.1 Sie trug die Inschrift:

Ānno dnĩ m cccc xc vII henne kortrach kop̃smeth von hombregh dem got gnade dre gos mich Āve maria

Vor und hinter dem Wort „kop̃smeth“ war jeweils das kortrogsche Gießerzeichen, die Kupferblechschere, zu sehen. Außerdem war das Wappen vom Wallfahrtsort Vierzehnheiligen an der Flanke vorhanden.2 Es besteht aus den 14 Nothelfern, welche in vier Reihen übereinander stehen. Darin sind ein Christuskind, eine brennende Kerze und ein Schild mit dem Zisterzienserwappen zu erkennen.

Ein zweiter Klangkörper aus dem Jahre 1725 wurde vom Hersfelder Glockengießer Constantin Ulrich geschaffen.1 Darauf war zu lesen:

campana hÆc fabricata est boeddigerÆ v D ministro ilsenio prÆfecto pagi

cYriaco weitzel et fVsore constantino Vlrich hersfeldensi anno MDCCXXV

In 1746 kam noch eine wesentlich kleinere Glocke hinzu. Sie stammt von Bernhard Donner aus Naumburg (Bistum Mainz = Moguntia) und erklingt in f’’ (erhöht).3 An der Schulter trägt sie zwischen zwei Stegen folgende Inschrift:

campana hec ministr eccl r crollio et prefeto tag\ciriaco

weitzell vt et cvratorib ross et hewig fabricata est

B Donner Navmb Mogvnt A O 1746

Am Wolm und am Schlagring sind jeweils zwei weitere Stege vorhanden.

Dieser kleine Klangkörper ist heute noch vorhanden und wird von den Böddigern liebevoll als „Bimbel“ oder „Kinderglocke“ bezeichnet, da er u. a. zu Kindergottesdiensten ruft.4

Das historische Trio überlebte den Ersten Weltkrieg unbeschadet.

Jedoch wurde im Jahre 1939 das Instrument von 1497 wegen eines Sprungs von der Firma F. W. Rincker Söhne in Sinn eingeschmolzen und neu gegossen.5

Dieser Neuguss, der in f’ erklang, trug die Inschrift:

Gegossen von Gemeinde Böddiger 1939

und gegenüberliegend

F. W. Rincker in Sinn No 5433

Die Stimme dieses Klanginstruments war allerdings nicht sehr lang zu hören, denn es musste während des Zweiten Weltkrieges gemeinsam mit dem von 1725 den Turm der Böddigerschen Kirche verlassen, um als Gussmaterial für die Kriegsmaschinerie zu dienen (Abgabenummer für beide 12/26/5 A).7

Im Jahre 1950 wurden die beiden verlorenen Klangkörper ersetzt. Der Glockengießer Albert Junker sr. fertigte im sauerländischen Brilon zwei Sonderbronzeglocken in den Tönen f’ und g’, die an der Schulter jeweils zwischen drei Stegen (zwei darüber, einer darunter) stehend den folgenden Schriftzug tragen:3

A. Junker Brilon

Auf der Flanke der größeren steht geschrieben:

Fürchtet euch nicht!

Siehe, ich verkündige euch grosse Freude.

1724 Advent 1950.

Die Flankeninschrift der kleineren lautet:

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke

1497 Advent 1950.

Beide „Junker-Glocken“ tragen am Wolm jeweils drei Stege.

Beide Instrumente wurden gemeinsam mit einem ebensolchen für Niedervorschütz geliefert.3/4

 

Auszug aus der Läuteordnung:

 

Morgenläuten (7:00 Uhr, Mo.-Sa.):                Nr. 3

Mittagsläuten (11:00 Uhr, Mo.-Sa.):               Nr. 2

Abendläuten (18:00 Uhr, So.-Fr.):                  Nr. 1

Sonntageinläuten (17:00 Uhr, Sa.):               Nr. 1 und 2

Zeichen:                                                         Nr. 1

Gottesdienst:                                                  Nr. 1 und 2

Kindergottesdienst:                                        Nr. 3

Hochzeiten/Hochzeitsjubiläen:                      Nr. 1 und 2

Vater Unser:                                                   Nr. 2

Taufe:                                                             Nr. 3

Einsegnungen:                                               Nr. 1 und 2

Überführung/Gang zum Grab:                       Nr. 1 und 2

30 Minuten vor der Trauerfeier:                      Nr. 1

 

 

Quelle(n) für diesen Text:

1 H. Wenzel: Hessische Glockenkunde, 16. Band, Kreis Melsungen, 1924 (ohne Seitenzählung)

2 Beschreibung: Online-Pilgerzeichendatenbank der Staatlichen Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum, http://www.pilgerzeichen.de/

3 Eigene Visitation

4 Mündliche Überlieferung eines Zeitzeugen

6 Unterlagen von H. M. Rincker (Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn)

7 Auflistung (den Zweiten Weltkrieg betreffend): Abgelieferte Glocken im Kreise Melsungen

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