Immer für die Menschen da

Evangelische Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger
würdigte Wirken von Schwester Frieda Kerl

Von Manfred Schaake

Felsberg. Viele Felsberger erinnern sich noch heute voller Dank an die Diako­nisse, die von 1930 bis 1962 in der Gemeindepflege segensreich in der Burgstadt gewirkt hat: Johanna Wilhelmine Frieda Kerl, die alle nur Schwester Frieda nannten. Vor 125 Jahren wurde sie in Oedelsheim im damaligen Kreis Hofgeismar geboren. Ihren vorbildlichen Dienst am Menschen hat die evange­lische Kirchengemeinde Felsberg am Sonntag Palmarum im Gottesdienst  in der Nikolaikirche gewürdigt.

Als 1988 das 1904 an der Lohrer Straße direkt neben der Sankt-Jakobskapelle von 1230 errichtete Evangelische Vereinshaus renoviert wurde, gab ihm die Kirchengemeinde “in dankbarer Erinnerung” den Namen Schwester-Frieda-Kerl-Haus. Hier hat sie gelebt, hier betrieb sie mit Unterstützung von Dr. Heinz Roepke (1907 – 1992) auch eine kleine Sanitätsstation. “Wenn jemand krank war, wurde zuerst Schwester Frieda geholt”, weiß die 91-jährige Elsbeth Schneider. Und Lektor Norbert Martin (59), der den Gottesdienst in Vertretung von Pfarrer Ernst-Friedrich Schluckebier gehalten hat, weiß noch genau: “Hatten wir als Kind eine Verletzung, ging es nicht zum Arzt, sondern erst mal zu Schwester Frieda.”

“Sie war immer für die Menschen da, wenn man sie rief – Tag und Nacht”, sagt Friedel Voß (80), Ehrenmitglied des Kirchenvorstandes. 25 Jahre lang hat sie das Frieda-Kerl-Haus für die Kirchengemeinde betreut.

Frieda Kerl trat 1915 in die Schwesternschaft des Kurhessischen Diakonissen­hauses ein. Sie wurde in der Kinderarbeit und in der Krankenpflege ausgebildet. Nach mehrjährigem Dienst im ehemaligen Landkrankenhaus, dem heutigen Klinikum Kassel, war sie ab 1927 zunächst Gemeindeschwester in Wehrda bei Marburg. 1930 kam sie nach Felsberg.

“In stetig fürsorglichem Einsatz” hat sie die Menschen in Felsberg begleitet, wie Pfarrer Schluckebier betont. Ein wichtiger Dienst gerade in der Zeit des Dritten Reiches, der Armut, der Wirtschaftskrise, der Verfolgung der jüdischen Mitbür­ger, der Not und des Leidens im Zweiten Weltkrieg, insbesondere der Witwen und Waisen, der Ausgebombten, Flüchtlinge und Heimatvertriebenen sowie der langen und mühsamen Aufbauarbeit in den ersten Jahren des Bundes­republik.

Aus den Tagebüchern der Diakonisse, die Pfarrer Schluckebier im Kasseler Mutterhaus studierte, geht hervor, dass sie Familien betreute, deren Ange­hörige im Krieg gefallen waren oder schwer verwundet heimkehrten, dass sie Todesnachrichten überbringen musste, auch in der Erziehungsberatung tätig war. “Die Diakonissen waren taffe Damen, die mehrfach ausgebildet und zertifiziert waren”, sagt Schluckebier. Mit Frieda Kerl werde auch die diakoni­sche Arbeit im Auftrag des Evangeliums von Jesus Christus geehrt und ge­würdigt.

Nach ihrem Ruhestand lebte sie ab Dezember 1962 im Diakonissen-Mutterhaus in Kassel. Am 9. Mai 1971 feierte sie ihr Goldenes Einsegnungsjubiläum. Sie starb am 30. September 1978 und fand auf dem Wehlheider Schwesternfriedhof ihre letzte Ruhe.  

 

 

HINTERGRUND

13 Gemeindeschwestern in Felsberg

Frieda Kerl war die zwölfte und vorletzte Schwester, die in der Gemeindepflege in Felsberg tätig war. Die Diakonisse Susanne Schmidt war ab 1902 die erste, wie Pfarrer Ernst-Friedrich Schluckebier bei seinen Recherchen im Kurhessi­schen Diakonissenhaus herausgefunden hat. Keine Schwester war so lange in Felsberg tätig wie Frieda Kerl. Ihr folgte Else Oeste, die 1967 beurlaubt wurde zur Pflege ihrer kranken Mutter. Die Kontinuität des Dienstes der Gemeinde­schwestern in Felsberg mit den Mitschwestern in der Region führte nach den Worten des Pfarrers zur Entwicklung bis hin zu den heutigen Einrichtungen wie der Diakoniestation Fulda-Eder. (m.s.)

 

 

Top